BI wertet Sonarkarten selbst aus und findet Riffe

BI wertet Sonarkarten im deutsch niederländischen Grenzgebiet auf das Vorhandensein von geogenen Riffstrukturen aus und findet dabei seltene Steinriffe

Gravierende Wissenslücken

Die BI sieht auch im September 2022 noch gravierende Wissenslücken über die Beschaffenheit des Meeresbodens und das Benthos im Küstenmeer und in der AWZ. Ein angemessener Schutz ist ohne weitere Forschung nicht möglich. Im Rahmen des Genehmigungsverfahren zu neuen fossilen Gasbohrungen im deutsch niederländischen Grenzgebiets wurde sowohl auf niederländischer Seite als auch auf deutscher Seite eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt.

Die Beschreibung benthischer Lebensgemeinschaften erfolgte in der deutschen UVP dabei ausschließlich anhand öffentlich zugänglicher Literatur, Projekt- und Monitoringberichten.

 Auf eine zusätzliche eigenständige Erfassung wurde nach Angabe der deutschen Behörden verzichtet.

Man kam zu dem Schluss, dass den im Untersuchungsraum vorgefundenen benthischen Lebensgemeinschaften keine herausragende Bedeutung beizumessen sei. Eine kurze Literaturrecherche unsererseits ergab allerdings schnell ein anderes Bild. Studien von Imares (2014) und Oceana (2019) berichten über artenreiche Riffstrukturen in diesem Meeresgebiet.

BI entscheidet sich selbst zu prüfen

Um zu überprüfen ob es im deutschen Teil des Untersuchungsraumes vielleicht doch nicht nur unbedeutende Sande gibt analysierten wir die Daten aus dem Habitat Assessment Report von Marine Space selbst noch einmal. Die darin enthaltenen Karten enthalten Side Scanner Sonar Daten.

Unter Zuhilfenahme der BFN-Kartierungsanleitung für geogene Riffe werteten wir die Karten aus dem Habitat Assessment Report erneut aus. Zunächst zeichneten wir um jeden festen Stein den das Sonar als größer als 30 bis 50cm identifiziert hatte einen Kreis mit einem Radius von 75m.

Abb. 1: Sonarsignale von Steinen größer als 30cm werden mit Kreisen von 75m Durchmesser markiert

Anschließend plotteten wir die Bereiche in denen sich mehr als 21 solcher Kreise überschneiden. So entstand eine Darstellung von potentiellen geogenen Riffstrukturen die dem Lebensraumtyp H1170 nach deutscher und europäischer Definition entsprechen.

Abb. 2: Cluster von mehr als 21 Einzelstrukturen die sich überlappen bilden ein geogenes Riff

Die von uns als Riffe H1170 identifizierten Bereiche erstrecken sich über mehrere kilometergroße Gebiete sowohl auf niederländischer als auch auf deutscher Seite.

Eine in der Folge von der Deutschen Umwelthilfe beauftragte wissenschaftliche Studie, durchgeführt von BioConsult (2.11.2022), bestätigte unsere Ergebnisse. Damit ist klar, dass es auf deutscher Seite im Untersuchungsraum Riffe gibt die unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes nach §30 stehen, weil sie eine besondere Bedeutung als Biotope haben. Ebenso klar ist, dass die UVP die die deutschen Behörden im Fall der Genehmigung zu N05-A durchgeführt haben völlig unzureichend war.

Studie BioConsult:

https://bi-saubere-luft-ostfriesland.de/wp-content/uploads/Bijlage-2-2022-11-P914-BioConsult-Riffabgrenzung-N05a_ENG_2022_11_02.pdf